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Grundmotivation für den
Waldorfkindergarten
- Die Bemühung um die Offenheit,
die jeweilig erlebte Situation
der
Kinder zum immer wieder neu entscheidenden Element der Gestaltung des
pädagogischen Lebens werden zu lassen, ist der wichtigste
Moment
des Erziehungsgeschehens in einem Waldorfkindergarten.
Die eigene Veränderungsbereitschaft und Entwicklungsoffenheit
sind
die wesentlichen Vorausetzungen für einen
Waldorfpädagogen. Da
dieser Vorgang den Erwachsenen wie das Kind unmittelbar
berührt
und betrifft, ist dies das verbindende Element, das alle Praxis der
Waldorfkinder- gartenarbeit verbindet.
Das freie Spiel ist die
kindliche Äusserungsform
Zweijährige
Kinder stossen mit Freude halbaufgebaute
Holztürme um. Vierjährige Kinder laufen mit einem
wehendem
Küchenhandtuch Segel durch die Gegend; wenige Augenblicke
später wird es als Turban auf dem Kopf getragen.
Sechsjährige
Kinder spielen Post im Kindergarten, das Spiel
erstreckt sich über eine Stunde – immer
wieder
kommen neue
Gestaltungselemente

dazu.
Aus den einfachen Gegenständen der
Umgebung werden die nötigen Accessoirs
geschaffen, zufällig in
der Nähe befindliche kleinere Kinder werden für einen
Moment
als Kunden oder Postboten integriert, liebevoll werden Briefmarken aus
Papierschnipseln gebastelt...
Die einzelnen Spielszenen unterliegen einer ständigen,
lebendigen
Entwicklung, der Bezug zum Ganzen (Post) bleibt jedesmal erleb- und
erkennbar.
Es ist die spontane, d.h. aus sich selbst entstandene und keinem
äusseren Zweck oder Ziel dienende Grundäusserungsform
des
Kindes, durch die es sich mit der Welt verbindet.
Die zentrale
Verantwortung der Erzieher
Da das
freie kindliche Spiel keine Folge der vorstellungshaften Planung
ist, sondern eben spontan erfolgt, muss die Pflege der
Bedingungen für diese Äusserungsform in der Umgebung
angesiedelt sein.
Hier liegt die zentrale Verantwortung der Erzieher.

Ein
Kind greift spontan in ein Regalfach, um die dort vermutete Schale
mit Wachsblöckchen zum Malen zu nehmen. Im Greifen stellt es
erstaunt fest, dass die Schale nicht an ihrem Platz ist.
Die selbstverständliche Erwartung des Kindes ist die, dass die
Dinge an ihrem Ort sind; „die Welt ist in Ordnung“,
so die
kindliche Grund- stimmung, die gleichzeitig Sicherheit verleiht.
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Viel Engagement und
Phantasie
Kinder
spielen mit einfachen Holzstückchen. Mit viel
Engagement und
Phantasie wird ein Schloss mit Nebengebäude errichtet. Nach
einiger
Zeit wird der Spielort verlassen, andere Kinder kommen zu den
unordentlich

herumliegenden
Hölzern – es entsteht kein
neues Spiel
mehr. Die Erzieherin räumt beiläufig die
Hölzer wieder in den dafür
vorgesehenen Korb und kurze Zeit später kommen wiederum
Kinder,
die ein
neues konstruktives Spiel beginnen.
Kinder wollen ständig aus dem „Vollem“
schöpfen, sie benötigen eine
gewisse Grundordnung, um aus ihr heraus in das phantasievolle Spiel
eintreten zu können.
Wiederkehrende
Abläufe im Tagesrhythmus
Auch
gehören wiederkehrende Abläufe in
den Tagesrhythmus. Das zum Beispiel alle gemeinsam an dem Tisch sitzen,
gemeinsam „gesegnete Mahlzeit“ wünschen
und dann gemeinsam anfangen zu
essen, ist das Sicherheit–Verleihende.
So können der Zeitraum
einer Woche oder eines Jahres als Sicherheit verleihender Rahmen erlebt
werden, wenn sie durch Besonderheiten der Wochentage oder durch das
Feiern der Jahreszeiten „ rituell gegliedert“ vom
Kind erlebt werden.
Im Waldorfkindergarten zeigen sich solche Sicherheit verleihenden
Rhythmen in der wiederkehrenden Zeitgestalt des Tages.

So
gliedert sich der Tag in der Regel in verschiedene Elemente wie
Freispielphasen im Haus und im Garten, gemeinsames Lauschen eines
Märchens oder einer rhythmischen Geschichte,
hauswirtschaftlichen, handwerklichen oder künstlerischen
Tätigkeiten
u.s.w.
Zu bestimmten
Wochentagen bestimmte Aktivitäten
Die
Woche erhält ihre Form dadurch, dass bestimmten
Wochentagen bestimmte Aktivitäten vorbehalten sind, z.B. das
Aquarellieren oder der Frühstücksplan.
Dazu gehört, dass die
gewöhnlichen Verrichtungen eines menschlichen Tagesgeschehens
sinnvoll, freudig und transparent erfolgen, so z.B. die Zubereitung der
täglichen Mahlzeiten, Aufräumen, das gemeinsame
Singen und
Erzählen.
Kurzum:
Je voller und selbstredender das Leben im Kindergarten ist, desto
anregender als „Lernfeld “ ist die Umgebung
für
das Kind.
Der
Waldorfkindergarten soll ein Ort sein, an dem die Eltern und Erzieher
sich bemühen, den erzieherischen Ruf der Kinder zu
hören und bereit
zu sein, von ihnen in jeglicher Hinsicht immer wieder zu
lernen.
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